Rückblick | ACK Themenabend: Die eine Bibel und die vielen Kirchen

Mitte November veranstaltete die „Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) Backnang“ einen Diskussionsabend zum Thema „Die eine Bibel und die vielen Kirchen – unterschiedliches Verständnis der Bibel in den Backnanger Konfessionen“ im Gemeindehaus von St. Johannes in Backnang.

In der ACK finden sich die verschiedensten christlichen Konfessionen zusammen. In der ACK möchte man Brücken schlagen, um das Verbindende in den Mittelpunkt zu stellen und die Vorurteile abbauen, die teilweise Jahrhunderte lang gegolten haben. Die Bibel, die Heilige Schrift der jüdisch-christlichen Tradition, ist für manche Zeitgenossen eher ein Buch mit sieben Siegeln, für Gläubige hingegen der Maßstab für ihr Leben.Renate Girlich-Bubeck als Vertreterin der Baptisten wies darauf hin, wie verschieden doch die Erfahrungen der Menschen, die an Gott glauben, mit dem Wort Gottes seien. Jeder Mensch brächte seine eigene familiäre Prägung mit, seine Erfahrungen und ginge seinen je eigenen Lebensweg mit der Bibel. Für Renate Girlich-Bubeck ist die Bildersprache der Bibel, die Schönheit der Gottessprache und die große Bedeutung der Gottesklage, wie sie sich beispielsweise im Buch der Psalmen finde, wichtig geworden. Ulrich Roock, Pastor der Biblischen Gemeinde, stellte nun die Heilige Schrift in dem nun folgenden Impulsreferat genauer in den Mittelpunkt. Viele Aspekte wären da zu nennen, die seit Jahrhunderten die Auslegung der Bibel begleiteten. Schon den ersten Christen war es ein überaus großes Anliegen, aufzuzeigen, dass sich in Jesus „die Schrift erfüllt hat“. Man musste sich festlegen, was in den „Kanon“ („Richtschnur“) hineinkommt, sprich welche Bücher Einzug in die Bibel finden sollten. Des Weiteren machte man sich viele Gedanken, wie man klugerweise am besten die Bibel auslegen könne: Ganz wörtlich und buchstäblich oder in Bezug auf den moralischen Gehalt der Bibelstelle oder bildlich oder in Bezug auf die geistliche Bedeutung angesichts der Endlichkeit dieser Welt? Martin Luther meinte, man solle die Bibel so auslegen, dass klar sei, dass das Evangelium Jesu im Mittelpunkt stehe und die jesuanische Botschaft gefördert werde. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich nun die historisch-kritische Methode. Im Gegensatz zu allen früheren Ansätzen in der Bibelauslegung galt nun die Maxime, die Bibel nicht primär als Heilige Schrift zu verstehen, sondern man wollte sie wie jedes alle Schriftstück wissenschaftlich untersuchen. Doch, so meinte Pastor Roock, darf man die Bibel wirklich wie andere Literatur behandeln oder gilt es nicht, das Geheimnis hinter den biblischen Worten zu entdecken? Biblischen Fundamentalisten sei es ein großes Anliegen, die Bibel gemäß seinem unmittelbaren Wortsinn auszulegen. Viele Fragen stellen sich also im Umgang mit der Bibel. Dies zeigte sich auch im Anschluss bei der Podiumsdiskussion. Klaus Herberts, Vertreter der Katholiken, betonte die Wichtigkeit des Dialogs zwischen Kirchenleitung, Seelsorge und universitärer Theologie. Viktor Petkau, Pastor der Baptisten, stellte die Bedeutung der gemeinsamen Schriftbetrachtung und Bibelauslegung in den Mittelpunkt. Der Vertreter der Neuapostolischen Kirche, Rolf Idler, war der Überzeugung, dass es eine weltweit einheitliche Verkündigung des Evangeliums geben müsse und diese Einheitlichkeit sei gewährleistet durch das Apostelamt. Pfarrer Andreas Kienzle von der evangelischen Kirche betonte die Wichtigkeit des Wortes Gottes, von Menschenhand geschrieben, vom Heiligen Geist inspiriert, ein Schatz in „irdenen Gefäßen“, den es zu entdecken gelte. Bei der darauffolgenden Diskussion an den Tischen und der Auswertung der Diskussion durch den Pastor der Mennoniten, Lutz Heidebrecht, zeigte sich die Lebendigkeit der Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes, das den Menschen für den anspruchsvollen Weg durchs Leben stärken möchte, aber auch gerade auch durch herbe und sperrige Bibelstellen provozieren möchte.

Ulrike Arlt-Herberts

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